Mehmet Scholl zählt bis heute zu den beliebtesten und talentiertesten Fußballspielern, die der deutsche Fußball je hervorgebracht hat. Als kreativer Kopf im Mittelfeld des FC Bayern München prägte er anderthalb Jahrzehnte lang eine ganze Ära des Vereins und wurde für viele Fans zum Inbegriff des technisch versierten, unkonventionellen Spielertyps. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über seinen Werdegang, seine größten Erfolge, sein Leben abseits des Rasens und seine Rolle als TV-Experte.
Wer ist Mehmet Scholl? Herkunft und frühe Jahre
Mehmet Tobias Scholl wurde am 16. Oktober 1970 in Karlsruhe geboren, ursprünglich unter dem Namen Mehmet Tobias Yüksel. Sein Vater stammte aus der Türkei, seine Mutter war Deutsche. Als sich seine Eltern scheiden ließen, heiratete seine Mutter erneut, und Mehmet übernahm den Nachnamen seines Stiefvaters Hermann Scholl.
Seine fußballerische Laufbahn begann in seiner Heimatstadt beim SV Nordwest Karlsruhe, bevor er in die Jugendabteilung des Karlsruher SC wechselte. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Ballgefühl, das ihn später zu einem der spielstärksten Techniker der Bundesliga machen sollte.
Der Sprung in den Profifußball
Am 21. April 1990 debütierte Scholl für die Profimannschaft des Karlsruher SC – ausgerechnet gegen den 1. FC Köln, wo er kurz nach seiner Einwechslung direkt zum 5:0-Endstand traf. Bis 1992 bestritt er insgesamt 63 Pflichtspiele für den KSC und sammelte dabei erste wichtige Erfahrungen im professionellen Fußball.
Die große Zeit beim FC Bayern München
Im Sommer 1992 wechselte Mehmet Scholl zum FC Bayern München – ein Transfer, der seine gesamte weitere Karriere prägen sollte. Fortan trug er das Trikot mit der Nummer 7 und entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Spieler im Münchner Mittelfeld.
Titel und sportliche Erfolge
In seinen 15 Jahren bei den Bayern bestritt Scholl 468 Pflichtspiele und erzielte dabei 116 Tore. Zu seinen bedeutendsten Erfolgen zählen:
- Acht deutsche Meisterschaften mit dem FC Bayern München
- Fünf DFB-Pokalsiege
- Fünf Ligapokal-Titel
- UEFA-Pokal-Sieg 1996, bei dem er in beiden Finalspielen traf
- Champions-League-Sieg 2001 gegen den FC Valencia im Elfmeterschießen – trotz eines eigenen verschossenen Elfmeters im Finale
Mit insgesamt 21 Titeln hält Scholl bis heute einen Vereinsrekord beim FC Bayern München und gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Fußballspieler überhaupt.
Nationalmannschaft und Europameistertitel 1996
Sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft feierte Scholl 1995 unter Bundestrainer Berti Vogts. Ein Jahr später gehörte er zum Kader, der bei der Europameisterschaft 1996 in England den Titel gewann, auch wenn er im Finale gegen Tschechien ausgewechselt wurde. Die EM 2000, bei der Deutschland früh in der Gruppenphase scheiterte, war sein letztes großes Turnier im DFB-Trikot. Verletzungsbedingt beendete er seine Länderspielkarriere bereits vor der WM 2002 – wodurch er, trotz seiner sportlichen Klasse, nie bei einer Weltmeisterschaft zum Einsatz kam.
Karriereende und Abschied 2007
Am 19. Mai 2007 erzielte Scholl im Alter von 36 Jahren beim 5:2-Sieg gegen Mainz 05 sein 129. Bundesligator im 534. Pflichtspiel – sein letztes Spiel als Profi. Im August desselben Jahres fand sein offizielles Abschiedsspiel statt, bei dem der FC Barcelona eigens nach München reiste. Nach der Partie übergab Scholl seine legendäre Rückennummer 7 an den neuverpflichteten Franck Ribéry.
Leben nach der aktiven Karriere
Auch nach seinem Rücktritt als Spieler blieb Mehmet Scholl dem Fußball eng verbunden.
Trainerlaufbahn beim FC Bayern
Ab 2008 übernahm er zunächst die U-13-Mannschaft des FC Bayern München, bevor er 2009 als Cheftrainer der zweiten Mannschaft eingesetzt wurde. Diese Aufgabe übte er bis 2013 aus und sammelte dabei wichtige Erfahrungen im Trainerbereich.
TV-Experte und markante Aussagen
Parallel zu seiner Trainertätigkeit etablierte sich Scholl als gefragter Fußballexperte im deutschen Fernsehen. Ab 2010 war er regelmäßig für die ARD im Einsatz und wurde für seine pointierten, oft unkonventionellen Kommentare bekannt. Seine Wortmeldungen sorgten immer wieder für Gesprächsstoff und machten ihn zu einer der markantesten Stimmen der deutschen Fußballberichterstattung. 2017 endete seine Zusammenarbeit mit der ARD nach Meinungsverschiedenheiten rund um geplante Beiträge zum Thema Doping.
Musik und weitere Projekte
Neben dem Fußball spielt Musik eine große Rolle im Leben von Mehmet Scholl. Bereits 2002 und 2004 veröffentlichte er zwei Mixtapes unter dem Titel „Mehmet Scholl kompiliert – Vor dem Spiel ist nach dem Spiel”. Gemeinsam mit Gerd Baumann gründete er zudem das Musiklabel Millaphon Records, bei dem unter anderem die Band Moop Mama unter Vertrag steht. Über mehrere Jahre moderierte er außerdem eine eigene Musiksendung beim Radiosender Bayern 2.
Privatleben und Familie
Mehmet Scholl war in erster Ehe mit Susanne Pfannendörfer verheiratet. Aus dieser Verbindung ging Sohn Lucas Scholl hervor, der ebenfalls den Weg in den Profifußball einschlug. Aus einer weiteren Beziehung stammt Tochter Josefine Scholl. Heute ist Mehmet Scholl mit Jessica Scholl verheiratet und lebt weitgehend zurückgezogen von den großen Bühnen des öffentlichen Lebens.
Warum Mehmet Scholl bis heute so beliebt ist
Nur wenige deutsche Fußballer genießen bis heute eine so große Sympathie wie Mehmet Scholl. Das liegt zum einen an seinem einzigartigen Spielstil – kreativ, trickreich und immer für einen überraschenden Moment gut – zum anderen an seiner authentischen, bodenständigen Art abseits des Platzes. Vor der WM 2006 unterschrieben mehr als 100.000 Menschen eine Petition mit dem Titel „Mehmet für Deutschland”, um seine Nominierung für den DFB-Kader zu fordern. Auch wenn dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging, zeigt die Aktion eindrucksvoll, welchen besonderen Platz Scholl im Herzen der Fußballfans bis heute einnimmt.
Fazit
Mehmet Scholl ist weit mehr als nur ein ehemaliger Fußballprofi mit beeindruckender Titelsammlung. Als Publikumsliebling beim FC Bayern München, EM-Sieger von 1996, pointierter TV-Experte und musikbegeisterter Labelgründer hat er sich über Jahrzehnte hinweg ein vielseitiges und unverwechselbares Profil erarbeitet. Seine Geschichte zeigt, dass sportlicher Erfolg und eine eigenständige, unangepasste Persönlichkeit sich keineswegs ausschließen müssen – ein Grund, warum sein Name im deutschen Fußball bis heute einen besonderen Klang hat.